
Stellen Sie sich vor, Sie nehmen für Ihr Unternehmen einen Kredit auf. Aber anstatt ihn ordentlich zu verbuchen, verstecken Sie die Unterlagen in einer Schublade. Das Geld hilft Ihnen kurzfristig, aber die Schulden wachsen im Verborgenen – samt Zinsen. Eines Tages, wenn Sie es am wenigsten erwarten, klopft die Bank an und präsentiert eine Rechnung, die Ihr Unternehmen in die Knie zwingen kann.
Genau das passiert jeden Tag in unzähligen ERP-Systemen. Der Begriff dafür ist Technical Debt – technische Schulden. Es ist eine der heimtückischsten und am meisten unterschätzten Gefahren für die Zukunftsfähigkeit von KMU. Technical Debt ist unsichtbar, sie taucht in keiner Bilanz auf, aber ihre Zinsen sind brutal: Innovationsstau, explodierende Kosten und am Ende ein System, das so starr ist, dass es jede Veränderung im Keim erstickt.
Als Praktiker, die oft gerufen werden, wenn es schon fast zu spät ist, wollen wir diese unsichtbare Zeitbombe ans Licht bringen. Dieser Beitrag erklärt, was Technical Debt in Ihrem ERP bedeutet, wie sie entsteht und wie Sie sie entschärfen, bevor sie detoniert.
Der Begriff “Technical Debt” wurde vom Software-Entwickler Ward Cunningham geprägt. Er beschreibt die impliziten Kosten, die durch eine schnelle, aber unsaubere oder suboptimale technische Lösung entstehen. Jedes Mal, wenn Sie oder Ihr IT-Partner sagen:
…nehmen Sie einen Kredit an technischen Schulden auf. Sie tauschen einen kurzfristigen Vorteil (Zeit oder Geld) gegen einen langfristigen Nachteil (Komplexität, Instabilität, Wartungsaufwand).
Anfangs spüren Sie die Schulden kaum. Das System läuft. Doch mit jeder weiteren Abkürzung und jeder neuen unsauberen Anpassung steigen die Zinsen. Diese Zinsen zahlen Sie nicht in Franken, sondern in Form von:
| Zinsart | Konkrete Auswirkung in Ihrem Unternehmen |
| Verlust der Agilität | Eine simple Preisanpassung dauert Wochen, weil sie an 10 verschiedenen Stellen im Code geändert werden muss. Die Anbindung eines neuen Webshops wird zum Jahresprojekt. |
| Explodierende Wartungskosten | Ihr IT-Partner braucht für jede kleine Änderung doppelt so lange, weil er sich erst durch ein Wirrwarr aus altem Code kämpfen muss. Niemand versteht mehr, warum bestimmte Dinge so gebaut wurden, wie sie sind. |
| Innovationsstau | Sie können keine modernen Technologien wie KI oder mobile Apps nutzen, weil Ihr altes System keine sauberen Schnittstellen bietet. Die Konkurrenz zieht an Ihnen vorbei. |
| Sicherheitsrisiken | Veraltete Systemkomponenten werden nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgt. Ihr ERP wird zum offenen Scheunentor für Hacker. |
| Mitarbeiter-Frustration | Niemand will mehr mit dem alten, langsamen und fehleranfälligen System arbeiten. Ihre besten Mitarbeiter kündigen, weil sie sich ständig mit Workarounds herumschlagen müssen. |
Irgendwann ist der Schuldenberg so hoch, dass das System de facto “unveränderbar” wird. Jede Änderung birgt das unkalkulierbare Risiko, dass an anderer Stelle etwas zusammenbricht. Der letzte Ausweg ist dann oft nur noch ein kompletter, extrem teurer und riskanter Neustart – die Autopsie des Altsystems.
Technische Schulden entstehen nicht aus böser Absicht, sondern oft aus einer Kombination von Zeitdruck, Budget-Beschränkungen und mangelndem strategischem Weitblick.
Der Umgang mit technischen Schulden ist wie der Umgang mit Finanzschulden. Man braucht eine Strategie, Disziplin und die Bereitschaft zu investieren.
Technical Debt ist eine schleichende Krankheit, die die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens untergräbt. Sie zu ignorieren, ist keine Option. Die Zinsen werden irgendwann fällig – und sie sind immer höher als die ursprüngliche Investition in eine saubere Lösung.
Ein moderner ERP-Ansatz, wie wir ihn bei redPoint mit Microsoft Dynamics 365 Business Central verfolgen, ist von Grund auf darauf ausgelegt, technische Schulden zu minimieren: durch den Fokus auf Standardprozesse, eine saubere Architektur und kontinuierliche Updates aus der Cloud.
Sprechen Sie mit uns, auch wenn Sie noch kein neues System planen. Ein ehrlicher Blick auf Ihre bestehende Systemlandschaft und eine Bewertung Ihrer technischen Schulden kann eine der wertvollsten Investitionen sein, die Sie tätigen. Damit Ihre IT nicht zur Belastung, sondern zum Motor Ihrer Zukunft wird.

Mit der Checkliste von redPoint starten Sie optimal in ein erfolgreiches ERP-Projekt.
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