
Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu. Während die Einzelhändler ihre Weihnachtsdekoration arrangieren und die Tage kürzer werden, blickt die Geschäftswelt auf ein Jahr voller technologischer Versprechungen zurück. Insbesondere im Bereich der Enterprise Resource Planning (ERP) wurden viele Prognosen gemacht. Doch welche Trends haben sich wirklich bewahrheitet? Welche sind als kurzlebiges Phänomen verpufft? Und viel wichtiger: Was sind die entscheidenden ERP-Trends, die das Jahr 2026 prägen werden? Dieser Artikel bietet einen sachlichen, fundierten und vielleicht überraschenden Ausblick.
Das Jahr 2025 war weniger ein Jahr der Revolution als vielmehr der konsequenten Etablierung. Die prognostizierten Trends haben sich nicht nur bewahrheitet, sondern sind zum neuen Fundament moderner Unternehmensarchitekturen geworden. An der Spitze dieser Entwicklung standen vier unaufhaltsame Kräfte.
Erstens hat die Migration zu Cloud-ERP massiv an Fahrt gewonnen und ist nun der De-facto-Standard für neue Implementierungen. Die Vorteile – Skalierbarkeit, geringere Infrastrukturkosten und automatische Updates – sind für Unternehmen jeder Grösse zu überzeugend geworden, um sie zu ignorieren. Zweitens hat sich Künstliche Intelligenz (KI) vom Nischen-Add-on zur Kernkomponente entwickelt. Insbesondere “Agentic AI”, also KI-Systeme, die komplexe Aufgaben mit minimaler menschlicher Aufsicht autonom ausführen, hat sich von einer experimentellen Phase zu einer praktischen Implementierung bewegt. Drittens hat sich der Wechsel zu modularen, “composable” Architekturen durchgesetzt. Starre, monolithische Systeme werden zunehmend durch flexible, interoperable Module ersetzt, die es Unternehmen ermöglichen, agiler auf Marktanforderungen zu reagieren. Und viertens ist die Nachhaltigkeit (ESG) endgültig in den ERP-Systemen angekommen. Die Erfassung und das Reporting von ESG-Kennzahlen sind nicht länger eine Kür, sondern eine Pflicht, die von Investoren, Regulierungsbehörden und Kunden gleichermassen eingefordert wird. Gartner prognostizierte, dass die CO2-Emissionen von Hyperscale-Cloud-Services zu einem der drei wichtigsten Kaufentscheidungsfaktoren werden.
Nicht jeder Trend entfaltete die ihm zugeschriebene disruptive Kraft. Die grösste Diskrepanz zwischen Hype und Realität zeigte sich bei der allgemeinen KI-Diskussion. Während die Integration von KI in ERP-Systeme tiefgreifend und transformativ ist, blieb der ganz grosse, branchenweite Umsturz durch “Super-Intelligenzen” aus. Die Entwicklung ist eher eine stetige Evolution, die Mensch und Maschine in kollaborativen Teams zusammenbringt, anstatt den Menschen zu ersetzen. PwC antizipierte eine Verdopplung der Wissensarbeitskapazität durch solche Mensch-KI-Teams, was jedoch neue Managementansätze erfordert.
Auch die Blockchain-Technologie, einst als Allheilmittel für Transparenz und Sicherheit gefeiert, hat sich als überschätzt erwiesen – zumindest in ihrer universellen Anwendung. Statt einer breiten Adoption hat die Technologie Nischen gefunden, in denen sie unbestreitbaren Mehrwert liefert, wie etwa bei der fälschungssicheren Nachverfolgung in komplexen Lieferketten. Der Trend ist also nicht verpufft, sondern hat sich auf realistische Anwendungsfälle fokussiert.
Für 2026 zeichnen sich vier zentrale Entwicklungen ab, die die ERP-Landschaft massgeblich formen werden.
Der Trend der “Agentic AI” wird 2026 seine volle Wirkung entfalten. Ging es 2025 noch um KI-gestützte Analysen und “Copiloten”, werden wir 2026 den Aufstieg autonomer ERP-Agenten erleben. Diese Systeme werden nicht nur Entscheidungen vorschlagen, sondern proaktiv und selbstständig Geschäftsabläufe steuern – von der dynamischen Preisgestaltung über die Optimierung der Lieferkette bis hin zum autonomen Finanzabschluss. Laut Prognosen werden diese intelligenten Agenten von einer unterstützenden Rolle zu einer zentralen, operativen Instanz im Unternehmen heranreifen.
Ein lange schwelendes Problem wird 2026 zur akuten Herausforderung: die Modernisierung veralteter Legacy-Systeme. Insbesondere im produzierenden Gewerbe droht eine Krise. Eine ganze Generation von IT-Fachkräften, die diese Altsysteme über Jahrzehnte gepflegt haben, geht in den Ruhestand – ein “Silver Tsunami”. Ihr Abgang hinterlässt eine kritische Wissenslücke und macht die Wartung dieser Systeme nahezu unmöglich. Der Druck, auf moderne, cloud-native und KI-fähige ERP-Plattformen umzusteigen, wird für viele Unternehmen von einer strategischen Option zu einer existenziellen Notwendigkeit.
Die Integration von ESG-Metriken war 2025 der erste Schritt. Im Jahr 2026 wird Nachhaltigkeit zu einem harten, messbaren Faktor für den Geschäftserfolg. ERP-Systeme werden nicht mehr nur Verbrauchsdaten sammeln, sondern diese direkt mit Finanz- und Betriebsdaten verknüpfen. Dies ermöglicht es Unternehmen, komplexe Trade-off-Entscheidungen zu treffen, beispielsweise zwischen Kosten, CO2-Auswirkungen und Lieferanten-Compliance. Die Fähigkeit, den gesamten Produktlebenszyklus zu modellieren und eine Kreislaufwirtschaft zu steuern, wird direkt im ERP-Kern verankert sein und den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb ausmachen.
Der Trend zu modularen Systemen ermöglicht 2026 eine neue Stufe der Spezialisierung. Statt aufwändiger Anpassungen werden Unternehmen zunehmend auf hyper-spezialisierte Branchen-Module von Drittanbietern zurückgreifen, die sich nahtlos in ihre Composable-ERP-Architektur einfügen. Ob für die spezifischen regulatorischen Anforderungen der Medizintechnik oder die komplexen Logistikprozesse der Bauindustrie – die Zukunft gehört nicht mehr der einen grossen Lösung, sondern dem intelligent orchestrierten Ökosystem aus spezialisierten Best-of-Breed-Anwendungen. IDC prognostiziert, dass bis 2027 75% der globalen Unternehmen beginnen werden, ihre monolithischen ERP-Systeme durch modulare Lösungen zu ersetzen.
| Trend-Dimension | Status 2025 (Etabliert) | Prognose 2026 (Prägend) |
| Künstliche Intelligenz | KI-Copiloten & generative Assistenz | Autonome Agenten & proaktive Prozesssteuerung |
| System-Architektur | Composable & Modular als Konzept | Hyper-Spezialisierung durch Branchen-Module |
| Modernisierung | Strategische Cloud-Migration | Zwang zur Modernisierung durch “Silver Tsunami” |
| Nachhaltigkeit (ESG) | Datenerfassung & Reporting | ESG als integraler Teil der Geschäfts- & Finanzlogik |
| Benutzeroberfläche | Mobile & konversationelle Interfaces | Immersive Erlebnisse durch Extended Reality (XR) in Nischen |
Das Jahr 2026 wird keine Atempause bringen. Die technologische Entwicklung beschleunigt sich weiter und stellt Unternehmen vor die Herausforderung, die richtigen strategischen Weichen zu stellen. Die Trends zeigen klar in eine Richtung: hin zu intelligenteren, flexibleren, nachhaltigeren und stärker spezialisierten ERP-Ökosystemen.
Wir verstehen nicht nur diesen Wandel, wir gestalten ihn aktiv mit. Wir helfen unseren Kunden, den Hype von der Realität zu trennen und eine ERP-Strategie zu entwickeln, die nicht nur auf die Trends von morgen reagiert, sondern Ihr Unternehmen für eine erfolgreiche Zukunft positioniert. Sprechen Sie uns an, um gemeinsam die Weichen für 2026 zu stellen.

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