Seit minestens zwei Jahren dominiert künstliche Intelligenz nahezu jedes Gespräch rund um Digitalisierung. Kaum ein Unternehmeranlass, kein Webinar und keine Branchenveranstaltung kommt ohne das Thema aus.

Dabei fällt mir immer wieder etwas auf.

Die meisten Diskussionen drehen sich um die falschen Fragen.

Viele Unternehmen möchten wissen, ob KI Arbeitsplätze ersetzen wird. Andere fragen nach Datenschutz, regulatorischen Risiken oder danach, ob die Technologie nicht bloss ein kurzfristiger Hype sei. Das sind legitime Fragen. Allerdings sind sie selten die Fragen, die über den Erfolg eines Unternehmens entscheiden.

Die entscheidendere Frage lautet aus meiner Sicht: Welches konkrete Problem möchten Sie überhaupt lösen?

Erstaunlich oft bleibt diese Frage unbeantwortet.

Stattdessen spricht man über Technologien, Plattformen und Funktionen. Doch Technologie besitzt keinen Selbstzweck. Niemand investiert in ein ERP-System, nur um ein ERP-System zu besitzen. Niemand führt neue Maschinen ein, weil Maschinen interessant sind. Unternehmen investieren immer deshalb, weil sie sich davon einen geschäftlichen Nutzen versprechen.

Bei künstlicher Intelligenz scheint dieser Zusammenhang manchmal verloren gegangen zu sein.

Viele Unternehmen sind auf der Suche nach einer KI-Strategie, bevor sie überhaupt verstanden haben, welche betrieblichen Herausforderungen sie adressieren möchten. Das führt zu Projekten, die zwar technisch beeindruckend wirken, aber nur begrenzten Mehrwert erzeugen.

Die erfolgreichen Unternehmen gehen anders vor. Sie beginnen nicht mit KI. Sie beginnen mit Prozessen.

  • Wo verlieren Mitarbeitende Zeit?
  • Wo entstehen Fehler?
  • Wo fehlen Informationen?
  • Wo werden Entscheidungen unnötig verzögert?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lohnt sich die Diskussion über den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Besonders spannend finde ich dabei die Situation vieler KMU. Während grosse Konzerne oft Millionenbudgets in komplexe KI-Projekte investieren, können kleinere Unternehmen deutlich pragmatischer vorgehen. Sie benötigen keine Forschungslabore und keine Datenwissenschaftler-Teams. Was sie brauchen, sind klar definierte Anwendungsfälle.

Ein gutes Beispiel ist die automatische Verarbeitung von Dokumenten. Oder die Unterstützung bei Kundenanfragen. Oder die Analyse von Geschäftsdaten. Solche Anwendungen erzeugen bereits heute messbaren Nutzen. Nicht irgendwann in der Zukunft, sondern jetzt.

Die grösste Gefahr besteht deshalb nicht darin, zu früh auf KI zu setzen. Die grösste Gefahr besteht darin, jahrelang über KI zu reden und dabei keine Erfahrungen zu sammeln.

Jede technologische Entwicklung folgt einem ähnlichen Muster. Es gibt Unternehmen, die beobachten. Es gibt Unternehmen, die analysieren. Und es gibt Unternehmen, die lernen.

Langfristig gewinnen fast immer jene, die lernen.

Natürlich sollte niemand blind investieren. Aber genauso wenig sollte man warten, bis sämtliche Unsicherheiten verschwunden sind. Dieser Zeitpunkt wird nie kommen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob künstliche Intelligenz Ihr Unternehmen verändern wird.

Die entscheidende Frage lautet, ob Sie diese Veränderung aktiv gestalten oder lediglich darauf reagieren wollen.

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Autor Berater Cloud ERP bei redPoint AG

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