Viele Inhaberinnen und Inhaber von KMU haben ihr Unternehmen über Jahrzehnte hinweg aufgebaut. Sie kennen ihre Kundschaft persönlich, treffen Entscheidungen aus Erfahrung und halten den Betrieb mit viel Engagement auf Kurs. Doch wenn die Nachfolge näher rückt, verändert sich die Perspektive. Plötzlich betrachtet jemand anderes das Unternehmen. Nicht aus der Sicht des Gründers. Nicht aus der Sicht eines langjährigen Mitarbeiters. Sondern aus der Sicht eines Käufers. Und dieser Käufer stellt andere Fragen. Wie effizient laufen die Prozesse? Wie transparent sind die Abläufe? Wie schnell lassen sich Informationen finden? Wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Personen? Vor allem interessiert ihn, ob die Firma für die Zukunft gerüstet ist. Genau hier entscheidet sich immer häufiger, ob ein Unternehmen als attraktive Investition oder als Sanierungsprojekt mit viel Arbeit im Gepäck wahrgenommen wird.

Grosse Nachfolgewelle rollt an

Laut UBS-Nachfolgestudie 2026 steht bis Ende 2030 bei knapp 168.000 Schweizer KMU eine Eigentumsübergabe an. Gleichzeitig verändert sich der Markt. Während Firmeninhaber früher oft aus mehreren Interessenten auswählen konnten, verschiebt sich das Kräfteverhältnis zunehmend zugunsten der Käufer. Käufer haben eine grössere Auswahl und können genauer hinschauen. Die Folge: Unternehmen stehen stärker unter Druck, ihre Attraktivität überzeugend zu belegen. Es reicht längst nicht mehr aus, stabile Umsätze und gute Gewinne vorzuweisen. Immer häufiger fliesst auch der Digitalisierungsgrad in die Beurteilung eines Unternehmens ein.

Warum die Digitalisierung zum Wertfaktor geworden ist

Wer ein Unternehmen übernimmt, kauft nicht nur Produkte, Kunden und Mitarbeitende. Er kauft auch Prozesse. Sind diese Prozesse sauber dokumentiert? Funktionieren sie effizient? Lassen sie sich skalieren? Oder basieren sie auf Excel-Listen, Papierordnern und dem Wissen einzelner Personen? Genau hier entsteht ein erheblicher Unterschied im wahrgenommenen Unternehmenswert. Ein digitalisiertes Unternehmen bietet Transparenz. Daten stehen zur Verfügung. Abläufe sind nachvollziehbar. Verantwortlichkeiten sind klar geregelt. Die Organisation funktioniert auch dann, wenn einzelne Schlüsselpersonen nicht anwesend sind. Für Käufer bedeutet das vor allem eines: weniger Risiko. Und weniger Risiko erhöht die Bereitschaft, tiefer in die Tasche zu greifen. Ein Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad signalisiert Stabilität, Zukunftsfähigkeit und Entwicklungspotenzial.

Der gefährliche Gedanke: „Das macht dann der Neue.“

Dennoch schieben viele Unternehmer die Digitalisierung bewusst auf. Die dahinterstehende Überlegung klingt nachvollziehbar: Warum kurz vor der Übergabe noch grössere Veränderungen anstossen? Der Nachfolger soll das Unternehmen schliesslich nach seinen Vorstellungen weiterentwickeln. Doch genau dieser Ansatz kann sich als Fehler erweisen. Denn ein Käufer bewertet nicht das Potenzial einer künftigen Digitalisierung. Er bewertet den aktuellen Zustand des Unternehmens. Offene Digitalisierungsprojekte erscheinen aus seiner Sicht nicht als Chance, sondern als zusätzlicher Aufwand. Sie verursachen Kosten, binden Ressourcen und erhöhen die Unsicherheit. Die Folgen zeigen sich oft direkt bei den Verkaufsverhandlungen. Der Käufer kalkuliert notwendige Investitionen ein. Er berücksichtigt mögliche Risiken. Und er zieht diese Beträge vom Unternehmenswert ab. Was eigentlich als Aufgabe für die Zukunft gedacht war, reduziert plötzlich den Verkaufserlös der Gegenwart.

Digitalisierung braucht Zeit, um ihren Wert zu entfalten

Ein hoher Digitalisierungsgrad entsteht nicht über Nacht. Neue Prozesse müssen sich erst etablieren. Die Mitarbeitenden benötigen Erfahrung mit den neuen Arbeitsweisen. Zudem müssen Daten bereinigt und Strukturen aufgebaut werden. Erst dann entstehen die Effizienzgewinne und die Transparenz, die Käufer sehen möchten. Deshalb ist neben der Entscheidung zur Digitalisierung auch der richtige Zeitpunkt wichtig. Wer erst kurz vor der geplanten Übergabe aktiv wird, startet zu spät. Die Verbesserungen sind dann noch nicht sichtbar. Die Organisation befindet sich mitten im Wandel. Käufer erkennen eher das Projekt als den Nutzen. Deutlich attraktiver wirkt ein Unternehmen, das bereits seit mehreren Jahren digital arbeitet und die Vorteile im Alltag nachweislich nutzt.

Ohne modernes Fundament bleibt Digitalisierung Stückwerk

Damit die Digitalisierung dauerhaft funktioniert, ist eine zentrale Basis erforderlich. In vielen KMU übernimmt diese Rolle ein modernes ERP-System. Es verbindet Daten, Prozesse und Abteilungen zu einer gemeinsamen Plattform. Informationen stehen zentral zur Verfügung. Abläufe laufen standardisiert ab. So entsteht Transparenz direkt aus dem Tagesgeschäft, ohne dass zusätzliche Berichte erforderlich sind.

Genau deshalb spielt die ERP-Strategie bei der Nachfolge eine wichtige Rolle. Idealerweise erfolgt eine ERP-Migration drei bis fünf Jahre vor der geplanten Unternehmensübergabe. Dieser Zeitraum schafft genügend Raum, um Prozesse zu optimieren, Mitarbeitende einzubinden und die Vorteile eines neuen Systems im Unternehmen zu verankern. Potenzielle Käufer sehen dann keine ERP-Einführung mehr, sondern ein digital aufgestelltes Unternehmen, das effizient arbeitet und bereit für die Zukunft ist.

Fazit: Verkaufen Sie kein Potenzial, sondern Ergebnisse.

Viele Unternehmer hoffen, dass ein Nachfolger die Digitalisierung übernimmt. Doch Käufer bezahlen selten für offene Aufgaben. Sie bezahlen für Strukturen, Transparenz und Zukunftsfähigkeit. Wer den Digitalisierungsgrad seines Unternehmens frühzeitig erhöht, verbessert damit nicht nur die tägliche Arbeit. Er steigert auch die Attraktivität seines Unternehmens am Markt und schafft die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nachfolge. Die Einführung beziehungsweise Migration eines ERP-Systems sollte deshalb nicht dem Nachfolger überlassen werden. Sie gehört auf die Agenda von Unternehmerinnen und Unternehmern, die ihr KMU in einigen Jahren erfolgreich verkaufen möchten.

Wer in den nächsten Jahren eine Unternehmensnachfolge plant, sollte den eigenen Digitalisierungsgrad jetzt auf den Prüfstand und frühzeitig die richtigen Weichen stellen. Vereinbaren Sie noch heute ein unverbindliches Beratungsgespräch mit redPoint und schaffen Sie die besten Voraussetzungen für attraktive Verkaufsaussichten!

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Autor Head Marketing, Business Development & Innovation bei redPoint AG

Michael Bechen

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