Wenn ein ERP-Projekt scheitert, sucht man die Ursachen häufig in der falschen Software, einer mangelhaften Umsetzung oder technischen Schwierigkeiten.

Nach vielen Jahren in Projekten habe ich jedoch einen anderen Eindruck gewonnen.

Die meisten Projekte gewinnen oder verlieren lange vor dem offiziellen Startschuss.

Der eigentliche Projekterfolg beginnt in den Monaten davor. In Diskussionen über Ziele. In der Bereitschaft, Prozesse zu hinterfragen. In der Ehrlichkeit, bestehende Probleme anzusprechen.

Viele Unternehmen betrachten ein ERP-Projekt primär als IT-Vorhaben. Aus technischer Sicht ist das nachvollziehbar. Schliesslich wird neue Software eingeführt. Aus organisatorischer Sicht ist diese Perspektive allerdings zu eng.

Ein ERP-System macht sichtbar, wie ein Unternehmen arbeitet. Deshalb bringt jede Einführung zwangsläufig ungelöste Fragen an die Oberfläche. Wer Prozesse nie definiert hat, muss sie plötzlich definieren. Wer Verantwortlichkeiten nie geklärt hat, muss sie plötzlich klären.

Je besser diese Vorarbeit geleistet wird, desto ruhiger verläuft die spätere Einführung.

Die erfolgreichsten Projekte zeichnen sich deshalb selten durch technische Brillanz aus. Sie zeichnen sich durch organisatorische Klarheit aus. Alle Beteiligten verstehen die Ziele. Die Verantwortlichkeiten sind definiert. Die kritischen Entscheidungen wurden früh getroffen.

Ausserhalb der Projektwelt klingt das unspektakulär.

Innerhalb von ERP-Projekten entscheidet genau diese Unspektakularität oft über Erfolg und Misserfolg.

Portrait Stefan Marti
Autor Leiter Bestandeskunden und Mitglied der GL bei redPoint AG

Stefan Marti

ERP auf den Punkt gebracht!