
KI-Agenten ziehen ins ERP ein. Sie analysieren Anfragen, bereiten Angebote vor, überwachen Bestände und stossen Prozesse an. Was heute noch nach Zukunft klingt, wird Schritt für Schritt Teil des betrieblichen Alltags.
Für Schweizer KMU ist das eine gute Nachricht. Viele administrative Aufgaben sind repetitiv, zeitintensiv und fehleranfällig. Ein KI-Agent kann Mitarbeitende genau dort entlasten. Er wird nicht müde, vergisst keine Prüfschritte und kann grosse Datenmengen in kurzer Zeit verarbeiten.
Doch mit den neuen Möglichkeiten entsteht eine Führungsfrage: Wer bestimmt, was ein KI-Agent darf?
Ein Copilot liefert Informationen, fasst Inhalte zusammen oder macht Vorschläge. Die Entscheidung bleibt beim Menschen. Ein KI-Agent geht einen Schritt weiter. Er erhält ein Ziel, prüft die vorhandenen Informationen und führt innerhalb eines definierten Rahmens Aufgaben aus.
Im Vertrieb kann er beispielsweise eine eingehende Anfrage erkennen, Kundendaten im ERP prüfen und einen Angebotsentwurf vorbereiten. Im Einkauf kann er tiefe Lagerbestände identifizieren und Bestellvorschläge erstellen. Im Finanzbereich kann er überfällige Rechnungen priorisieren und die zuständigen Personen informieren.
Der Unterschied ist entscheidend. Sobald ein System nicht mehr nur informiert, sondern einen Geschäftsprozess aktiv beeinflusst, braucht es Regeln. Ein KI-Agent benötigt zwar keinen Arbeitsvertrag. Er braucht aber einen klaren Kompetenzrahmen.
Unternehmen sollten KI-Agenten nicht einfach ein- oder ausschalten. Sinnvoller ist ein stufenweises Modell.
Auf der ersten Stufe beobachtet der Agent einen Prozess und meldet Auffälligkeiten. Er erkennt zum Beispiel, dass ein wichtiger Artikel bald nicht mehr verfügbar ist. Die Entscheidung trifft weiterhin ein Mitarbeitender.
Auf der zweiten Stufe bereitet der Agent eine Handlung vor. Er erstellt einen Bestellvorschlag, berechnet die benötigte Menge und zeigt die verwendeten Grundlagen. Ein Mensch kontrolliert und bestätigt.
Erst auf der dritten Stufe darf der Agent innerhalb festgelegter Grenzen selbst handeln. Denkbar wäre, dass er wiederkehrende Bestellungen bis zu einem definierten Betrag automatisch auslöst. Alles, was ausserhalb der Regeln liegt, wird eskaliert.
Dieses Vorgehen schafft Vertrauen. Gleichzeitig lässt sich die Qualität messen, bevor ein Prozess vollständig automatisiert wird.
KI-Governance wird gerne an die IT delegiert. Das greift zu kurz. Die IT kann Berechtigungen, Protokolle und technische Sicherheitsmechanismen umsetzen. Sie kann aber nicht allein entscheiden, welches wirtschaftliche oder rechtliche Risiko das Unternehmen akzeptiert.
Die Geschäftsleitung muss deshalb fünf Fragen beantworten:
Welche Daten darf der Agent verwenden? Welche Entscheidungen darf er vorbereiten? Welche Aktionen darf er selbst ausführen? Ab welchem Betrag oder Risiko braucht es eine menschliche Freigabe? Und wer trägt die fachliche Verantwortung, wenn etwas nicht wie geplant funktioniert?
Diese Fragen sind nicht theoretisch. Ein fehlerhafter Textvorschlag ist ärgerlich. Eine falsch ausgelöste Grossbestellung kann teuer werden. Je grösser die mögliche Wirkung, desto enger müssen Kontrolle und Freigabe gestaltet sein.
Ein sinnvoll eingesetzter KI-Agent darf keine Blackbox sein. Unternehmen müssen nachvollziehen können, welche Daten er verwendet, welche Empfehlung er abgegeben und welche Aktion er ausgeführt hat.
Dazu gehören saubere Rollen und Berechtigungen, nachvollziehbare Protokolle, definierte Eskalationswege und regelmässige Qualitätskontrollen. Ebenso wichtig ist eine klare Stop-Möglichkeit. Wenn sich Rahmenbedingungen ändern oder Ergebnisse nicht stimmen, muss ein Prozess jederzeit unterbrochen werden können.
Der Aufwand dafür ist kein Argument gegen KI-Agenten. Er ist die Voraussetzung dafür, dass sie im Geschäftsalltag zuverlässig funktionieren.
Der richtige Einstieg ist selten der grösste oder spektakulärste Prozess. Besser eignet sich eine Aufgabe mit hohem Volumen, klaren Regeln und überschaubarem Risiko.
Ein Agent kann zunächst Informationen sammeln, Daten prüfen oder Vorschläge erstellen. Danach wird gemessen: Wie viel Zeit wurde gespart? Wie hoch war die Trefferquote? Welche Ausnahmen traten auf? Wie oft musste ein Mensch korrigieren?
Auf dieser Grundlage kann das Unternehmen entscheiden, ob der Handlungsspielraum erweitert wird. So entsteht Automatisierung nicht aus Begeisterung für Technologie, sondern aus nachgewiesenem Nutzen.
KI-Agenten werden ERP-Systeme verändern. Sie können Prozesse beschleunigen, Mitarbeitende entlasten und Entscheidungen besser vorbereiten. Doch mehr Autonomie bedeutet auch mehr Verantwortung.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, ob ein KI-Agent Aufgaben übernehmen kann. Die zentrale Frage lautet, unter welchen Bedingungen er es darf.
Wer Kompetenzen, Kontrollen und Eskalationen von Anfang an festlegt, schafft die Basis für einen sicheren und wirtschaftlich sinnvollen Einsatz. Genau dort beginnt Agentic ERP für Schweizer KMU.
Wir zeigen Ihnen anhand Ihrer Abläufe, wo KI in Microsoft Dynamics 365 Business Central einen konkreten Nutzen schaffen kann und welche Leitplanken dafür notwendig sind.

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