
Wir Schweizer KMU halten uns gerne für krisenfest. Wir sind die harten Hunde der Alpen. Währungs-Schocks, Pandemien, Lieferketten-Probleme – wir haben alles überstanden. Das NZZ-KMU-Barometer 2026 bestätigt dieses Selbstbild auf den ersten Blick: 55 Prozent der befragten Schweizer KMU stufen sich als «eher bis sehr resilient» ein. [1]
Alles in Ordnung also? Leider nein. Wer die Zahlen genauer liest, stösst auf eine gefährliche Diskrepanz zwischen gefühlter Sicherheit und tatsächlicher strategischer Handlungsfähigkeit.
Das Barometer zeigt ein zweigeteiltes Bild: Im operativen Alltag funktioniert die Krisenbewältigung hervorragend. Wenn die Maschine brennt, stehen alle zusammen. Die kulturelle Dimension der Resilienz ist intakt.
Doch was passiert, wenn nicht die Maschine brennt, sondern das Geschäftsmodell erodiert?
Hier wird es kritisch: Nur 27 Prozent der Unternehmen trauen sich zu, ihr Geschäftsmodell innerhalb von sechs Monaten grundlegend an neue Marktgegebenheiten anzupassen. [1] Und für knapp ein Fünftel der KMU wäre ein unerwarteter Umsatzrückgang «kaum zu bewältigen oder existenzbedrohend». [1]
Das ist die eigentliche Botschaft des Jahres 2026: Wir verwechseln operatives Feuerlöschen mit strategischer Resilienz.
Warum sind wir strategisch so träge? Die Antwort liegt oft in der Art und Weise, wie in KMU Entscheidungen getroffen werden. In der letzten grösseren Krisensituation beschrieben 49 Prozent der Unternehmen ihre Entscheidungen als «pragmatisch und intuitiv». [1]
Pragmatismus und Intuition (oder «Bauchgefühl») sind wertvolle unternehmerische Eigenschaften. Aber sie skalieren nicht. Wenn Margen unter Druck geraten, Fachkräfte fehlen und Lieferketten neu gedacht werden müssen, reicht Intuition nicht mehr aus.
Dann brauchen Sie Daten. Und zwar nicht in Form von rückblickenden Monatsabschlüssen, sondern als vorausschauendes Frühwarnsystem.
Viele KMU brauchen keinen klassischen CFO im Organigramm. Aber sie brauchen zwingend ein CFO-Mindset in der Führung. Das bedeutet:
Die 55 Prozent der Unternehmen, die sich für resilient halten, müssen sich eine ehrliche Frage stellen: Hängt diese Resilienz an der heroischen Einsatzbereitschaft einzelner Mitarbeiter? Oder ist sie strukturell in den Prozessen und Systemen des Unternehmens verankert?
Wahre Resilienz bedeutet, dass Ihr Unternehmen nicht nur Stürme übersteht, sondern die Segel schneller neu setzen kann als der Wettbewerb. Das gelingt nur, wenn Ihre Datenbasis stimmt, Ihre Prozesse dokumentiert sind und Ihre Führung nicht mehr raten muss, sondern weiss.
Referenzen: [1] NZZ-KMU-Barometer 2026, Ergebnisbericht, Kalaidos Fachhochschule / NZZ, Juni 2026.

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